In unserer Blogreihe „App Map“ stellen wir euch die App-Branche in den verschiedensten Ländern weltweit vor. Hier erfahrt ihr alles über die Mobile App-Branche im Allgemeinen und lernt Top-Apps der jeweiligen Staaten kennen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Apps, die hier in Deutschland kaum genutzt werden, beziehungsweise gänzlich unbekannt sind. In dem vierten Teil unserer Reihe stellen wir euch den App-Markt in Argentinien vor.

Argentinien

Argentinien hat derzeit eine Bevölkerung von knapp unter 45 Millionen Einwohnern und ist damit auf Platz 3 der bevölkerungsreichsten Staaten in Südamerika. Nur Brasilien und Kolumbien haben mehr Einwohner. Mit einem BIP von 912 Milliarden US-Dollar liegt Argentinien wirtschaftlich sogar noch vor Kolumbien.

Im letzten Jahr hatten über 48% der Bevölkerung mindestens ein eigenes Smartphone oder mehr. Das entsprach über 21,3 Millionen aktive Nutzer. Der Umsatz mit Apps wird 2018 schätzungsweise über 19,9 Millionen Euro betragen. Das entspricht einem Anstieg von 21,7% im Vergleich zum Vorjahr. Besonders im Interesse der User sind derzeit Apps zur Buchung von Veranstaltungstickets, Fitness Apps, Online Dating, sowie Food Delivery.

Bei den Smartphone-Anbietern ist Samsung absoluter Spitzenreiter. Fast 51% aller User nutzen ein Samsung-Gerät, gefolgt von Motorola mit 17,4%, LG mit knapp unter 10% und Apple mit 7,76%. Einen entsprechend hohen Marktanteil hat Android als Betriebssystem, das auf 9 von 10 Smartphones genutzt wird. Beliebtester Messeging-Dienst ist WhatsApp, der von 2/3 aller Leute genutzt wird – sowohl privat, als auch geschäftlich. Facebook und YouTube können ähnlich viele Nutzer verzeichnen.

Taringa! Shouts

Taringa! ist der argentinische Vorreiter von 9GAG. Die ausschließlich auf Spanisch verfügbare Community wurde bereits 2004, also vier Jahre vor dem hier bekannten Ebenbild entwickelt. Doch über die Grenzen Südamerikas kam die Seite nie hinaus. Die dazugehörige App nennt sich „Taringa! Shouts“. Am meisten verbreitet ist sie in ihrem Heimatland Argentinien. Insgesamt hat die Plattform nach eigenen Angaben rund 28,8 Millionen registrierte Nutzer.

Von den Funktionen her ist es 9GAG sehr ähnlich. Nutzer können Bilder, GIFs und Videos teilen, kommentieren und bewerten. Zusätzlich kann Nutzern gefolgt werden, um immer die aktuellen Posts von ihnen zu sehen. Die Beiträge werden in einem Feed einfach untereinander angezeigt. Es gibt dabei drei Ansichtsmöglichkeiten: Nach besonders viel Aktivität (Anzahl Kommentare, Likes und wie oft der Inhalt geteilt wurde), nach den meisten Likes, oder nach Aktualität, sprich die neuesten Posts stehen an erster Stelle. Die gleiche Aufteilung gibt es auch bei 9GAG. Im Home-Bereich werden die Posts von den Usern angezeigt, denen man selbst folgt. Im Aktivitäten-Bereich wird angezeigt, ob User auf eigene Posts oder Kommentare reagiert haben.

Die App grenzt sich nicht grundlegend von 9GAG ab und kann auch nutzermäßig bei Weitem nicht mithalten. Doch da es eine der am meisten verbreiteten Apps ist, die in Argentinien entwickelt wurden, die auch noch einige Jahre vor dem bekannten Wettbewerber aus Hongkong erschaffen wurde, hat sie sich einen Platz in unserer App Map verdient.

Cómo Llego

Wie kommt man in einer Stadt mit 3 Millionen Einwohner mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B, wenn es keine Fahrpläne gibt? Dieses Problem versucht die Hauptstadt selbst durch die App „BA Cómo Llego“ zu lösen. Der Name der App bedeutet übersetzt so viel wie „Wie komme ich an?“. Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln bietet die App auch eine Navigation per Auto, Fahrrad oder zu Fuß und sucht so für jedes Verkehrsmittel die beste Route. Es ähnelt also in einigen Bereichen einer normalen Navigations-App oder Google Maps. Allerdings schafft sie es die öffentlichen Verkehrsmittel, die wie gesagt keinen wie in Deutschland üblichen festen Abfahrtsplan haben, ziemlich korrekt anzugeben. Auch der zu zahlende Fahrpreis wird angezeigt.

Für deutsche Verhältnisse scheint eine solche App nichts Besonderes zu sein, da hier jede Öffi-Gesellschaft eine eigene App hat. Das ist auch nicht sonderlich schwer, wenn es feste Fahrzeiten gibt. Wir finden die Ergänzung mit der Navigation für verschiedene Verkehrsmittel sehr gelungen. Vielleicht wäre das auch eine Idee für die hier gängigen Apps.

MercadoLibre

Die App „MercadoLibre“ ist in Argentinien wie das Amazon hierzulande, oder das Alibaba in China. Es ist die größte Online-Händler-Plattform in Südamerika und ist auf Spanisch und Portugiesisch verfügbar. MercadoLibre ist in insgesamt 18 Ländern aktiv. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Mexico und Venezuela gehören sie zu den führenden Händlern der B2C-E-commerce-Branche. Allein in Argentinien hatten sie 2017 Netto-Umsätze in Höhe von fast 360 Millionen US-Dollar. Im Google Play Store wurde die App bereits über 50 Millionen Mal heruntergeladen. Der Name „MercadoLibre“ bedeutet übrigens so viel wie „freier Markt“.

Über die App ist es auch für kleine Unternehmen und Händler möglich ganz einfach die eigenen Produkte zu verkaufen. So kann jeder Produkte, Fahrzeuge, Immobilien und sogar Dienstleistungen über die Plattform vertreiben. Das Angebot bietet also alles, was man benötigt. Erinnert uns ein bisschen an die App Go-Life aus Indonesien.

Doch einen Nachteil hat die App: Über das ausklappbare Menü werden keine Kategorien angezeigt. Lediglich einen horizontalen Slider unter dem Header bietet die App, um in bestimmte Kategorien zu kommen. Möchte man also etwas stöbern und nicht über die Suche nach einem bestimmten Produkt schauen, ist dies nur darüber möglich. Es muss entsprechend jedes Mal nach ganz oben gescrollt werden, um zu den Kategorien zu gelangen. Dieser Punkt könnte unserer Meinung nach noch verbessert werden.

Sehr gut finden wir hingegen die Möglichkeit kinderleicht eigene Produkte und sogar Dienstleistungen anbieten zu können. Das wäre auch für hier bekannte E-Commerce-Großhändler eine interessante Erweiterung.

Fazit

Argentinien ist nicht gerade eine Hochburg wenn es um die Entwicklung von Kassenschlagern der App-Branche geht. Allgemein scheint es wenig populäre Apps zu geben, die ihren Ursprung in Argentinien haben. Doch dass das Land durchaus eigene Ideen bietet und versucht sie umzusetzen, bevor sich die internationale Konkurrenz etablieren kann, hat die Vergangenheit bereits bewiesen. Mit MercadoLibre haben Shops wie Amazon und Alibaba beispielsweise einen harten Konkurrenten in Südamerika.

Besonders Interessant ist natürlich, dass es die Plattform Taringa! bereits vor dem hier bekannten 9GAG gab. Auch wenn sich der Konkurrent aus Hongkong internationaler einen bekannteren Namen machen konnte, ist die Idee und die frühe Umsetzung nicht zu verachten.

Insgesamt gibt es leider nur wenige Apps von Entwicklern aus Argentinien. Das internationale Angebot scheint sich zu schnell durchgesetzt und etabliert zu haben. Wir sind gespannt, ob sich in die Richtung in Zukunft noch ein bisschen was entwickeln wird und auch argentinische Entwickler den Vorstoß wagen.