In unserer Blogreihe „App Map“ stellen wir euch die App-Branche in den verschiedensten Ländern weltweit vor. Hier erfahrt ihr alles über die Mobile App-Branche im Allgemeinen und lernt Top-Apps der jeweiligen Staaten kennen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Apps, die hier in Deutschland kaum genutzt werden, beziehungsweise gänzlich unbekannt sind. In dem zweiten Teil unserer Reihe nehmen wir den App-Markt Indonesiens etwas genauer unter die Lupe.

Indonesien

Indonesien ist der weltgrößte Inselstaat und hat mit über 260 Millionen Einwohnern hinter China, Indien und den Vereinigten Staaten die viertgrößte Bevölkerung weltweit.

Beliebtester Smartphone-Anbieter ist mit knapp 31% Marktanteil der Südkoreanische Hersteller Samsung, gefolgt von Xiaomi. Apple kommt gerademal auf einen Anteil von unter 4%. Beliebtestes Betriebssystem für Smartphones ist mit knapp unter 75% entsprechend Android. Insgesamt nutzten im letzten Jahr circa 63 Millionen Menschen in Indonesien ein eigenes Smartphone. Ende dieses Jahres sollen es über 70 Millionen werden. Das entspricht einem Wachstum von über 11%. Bisher besitzen also lediglich 25% der Bewohner Indonesiens ein Smartphone. Die Anzahl der User entspricht trotzdem bereits der Gesamtbevölkerung von Ländern wie Italien oder Großbritannien. Der Markt bringt ein enormes Potenzial für weitere Neukunden und entsprechend hohe Nutzerzahlen für Apps mit sich.

BlackBerry Messenger (BBM)

Fast jeder der 63 Millionen Smartphone-User in Indonesien ist auch bei mindestens einem Messaging-Dienst angemeldet und nutzt diesen aktiv. Doch nur ein einzelner Anbieter ist in Indonesien auf den wenigsten Smartphones. Spitzenreiter ist der auch hierzulande favorisierte Anbieter WhatsApp. Überraschenderweise direkt gefolgt von dem BlackBerry Messenger. Indonesien ist das einzige Land weltweit, dass den BlackBerry Messenger noch derart aktiv nutzt. Im Jahr 2016 war auf knapp 9 von 10 Android-Geräten der Messaging-Dienst installiert. Zum Vergleich: In Großbritannien – Platz 2 im Ranking – war der Messenger zum gleichen Zeitpunkt auf 1,3% der Android-Geräte installiert.

Der BBM hat zunächst die gleichen Funktionen wie WhatsApp auch. Die normale Chat-Funktion für Einzel- und Gruppenunterhaltungen, sowie Sprach- und Videoanrufe gehören zu den Standards. Neben Emojis gibt es die in Asien sehr beliebten Sticker, die in dem Chat genutzt werden können. Wie aus anderen Messenger und sozialen Netzwerken bekannt, können verschickte Nachrichten wieder gelöscht und die Sichtbarkeit von Nachrichten und Fotos zeitlich begrenzt werden. In diesem Punkt ist der BBM beispielsweise Anbietern wie WhatsApp voraus. Doch der Blackberry Messenger bietet noch mehr als nur die normalen Funktionen. Sogenannten Channels kann beigetreten und deren geteilte Inhalte über einen Newsfeed verfolgt werden. Den eigenen Status sowie Fotos können ebenfalls über den Feed teilen, sodass die Freunde sie sehen können. Des Weiteren hat die App eine Anbindung an Uber, HotelsCombined (zum Suchen und Buchen von Hotels), Football365 (Übersicht über anstehende Fußballspiele), sowie an die BBM News. Der BBM Messenger kombiniert also einzelne Elemente verschiedener Messenger und Social Networks, wie zum Beispiel den Newsfeed von Facebook und Instagram und zeitliche Begrenzungen der Bilder von Snapchat. Ebenfalls an Bord ist ein Barcode-Scanner, um neue Kontakte hinzufügen zu können.

Go-Jek und Go-Life

Zu den interessantesten Apps in Indonesien gehören definitiv „Go-Jek“ und „Go-Life“. Go-Jek wurde 2010 gegründet und sollte zunächst die Suche nach einem Taxi-Roller erleichtern. Der Name kam dabei durch das Wort „Ojek“ zustande, dass im indonesischen so viel wie ein Mietmotorrad inklusive Fahrer bedeutet. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens ist die schnellste und somit sehr beliebte Fortbewegungsmöglichkeit ein Motoroller. Um einen der zahlreichen Rollertaxen in der Nähe zu finden, wurde die App Go-Jek erstellt. Dies sorgt zum einen für einen geringeren Stillstand der Fahrer und somit zum anderen für geringere Kosten für den Kunden.

Inzwischen bietet die App insgesamt 17 verschiedene Dienste an und hat nach eigenen Aussagen über 250.000 registrierte Rollerfahrer in Indonesien. Kürzlich gab es eine Aufteilung in zwei Apps. Go-Jek beinhaltet weiterhin alle Transportmöglichkeiten und die neue App Go-Life deckt die vier Services ab, wofür die Fahrer direkt zu einem nach Hause kommen müssen, um dort ihren Service zu erbringen. Dazu gehören Go-Massage (Masseur nach Hause bestellen), Go-Clean (Reinigungsfachkräfte), Go-Auto (Autoreparatur-Service für zuhause) und Go-Glam (Stylisten). Fast alles ist über diese beiden Apps ganz einfach zu ordern. Über Go-Jek sind weiterhin Dienste wie Go-Ride und Go-Car (um Rollertaxen und private Fahrer zu ordern), oder Go-Mart und Go-Shop (um seine Einkäufe von einem Fahrer erledigen und liefern zu lassen) verfügbar. Auch Essen über Go-Food oder Umzugswagen über Go-Box sind über die App bestellbar. Die beiden Apps bieten inzwischen unglaublich viele Möglichkeiten und haben somit sogar das Interesse von Google geweckt. Erst kürzlich soll der Internet-Riese neben anderen Investoren rund 100 Millionen US-Dollar in das Unternehmen Go-Jek Indonesia investiert haben.

Instagram

Instagram wird hierzulande genutzt um seine Fotos zu teilen und anderen zu folgen. Gegebenenfalls kommt es auch noch als Chat-Alternative zum Einsatz. In Indonesien hingegen wird es zusätzlich als eine Art Ebay genutzt. Wenn jemand etwas verkaufen möchte, postet er einfach ein Bild davon und bekommt per Privatnachricht Angebote für sein Produkt. Dies erspart dem Verkäufer das Zahlen einer Provision an die jeweilige Plattform und ist in Indonesien sehr verbreitet. Eine Plattform wie Ebay gibt es zurzeit sowieso nicht und hätte durch Instagram womöglich einen schweren Markteintritt zu befürchten.

Fazit

Indonesien bietet unserer Einschätzung nach ein enormes Zukunftspotenzial und könnte eine wichtige Rolle in der Welt der Mobile Apps spielen. Als das Land mit den viertmeisten Einwohnern weltweit, von dem bisher gerade einmal ein Viertel ein eigenes Smartphone nutzen, ist Indonesien ein interessanter Markt, der in den nächsten Jahren seine Wichtigkeit in der Branche stärken und große Anteile der weltweiten App-Umsätzen generieren könnte. Sehr spannend finden wir von 7METER17 das Unternehmen Go-Jek, das verschiedenste Services über gerade einmal zwei Plattformen anbietet und sich dadurch einen großen Wettbewerbsvorteil geschaffen hat. Die Wettbewerber, die meist nur einen oder wenige Services bieten, werden somit irrelevanter und verlieren Marktanteile. Außerdem sticht die Nutzung von Instagram heraus. Statt einer separaten Plattform werden nicht mehr benötigte Gegenstände einfach über den Social Media-Dienst verkauft. Alles in allem ist Indonesien ein sehr interessanter Markt, der in Zukunft nicht aus den Augen gelassen werden sollte.