In unserer Blogreihe „App Map“ stellen wir euch die App-Branche in den verschiedensten Ländern weltweit vor. Hier erfahrt ihr alles über die Mobile App-Branche im Allgemeinen und lernt Top-Apps der jeweiligen Staaten kennen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Apps, die hier in Deutschland kaum genutzt werden, beziehungsweise gänzlich unbekannt sind. Passend zur bevorstehenden Weltmeisterschaft stellen wir euch in dem fünften Teil unserer Reihe den App-Markt in Russland vor.

Russland

Mit rund 146,5 Millionen Einwohnern gehört Russland zu den Top 10 der bevölkerungsreichsten Staaten der Welt. Mit einem geschätzten BIP von 1.719,9 Milliarden US-Dollar zum Jahresende befindet sich die Wirtschaft nach der Krise im Jahr 2015 weiter im Aufschwung.

Zirka 55% der Bevölkerung besitzen ein eigenes Smartphone. Das entsprach im vergangenen Jahr über 78 Millionen Nutzern. Der Umsatz, der 2018 durch Apps generiert werden soll, wird auf ungefähr 51 Millionen Euro geschätzt. Das spiegelt ein Wachstum von 22,4% im Vergleich zum Vorjahr wieder.

Größter russischer App-Entwickler ist die Mail.Ru Group. Insgesamt stellen die 33 Publisher und Tochterunternehmen 151 Apps in den App-Stores zur Verfügung. Auf dem Ranking der Entwickler, die in Russland den meisten Umsatz generieren, muss sich die Mail.Ru Group allerdings dem irischen Unternehmen Playrix geschlagen geben.

Die Smartphone-Anbieter Apple und Samsung können einen ähnlich hohen Marktanteil verzeichnen. In den vergangenen Monaten hatte jedoch Apple die Nase ein bisschen vorn. Im Mai 2018 lag der Marktanteil beider Unternehmen bei knapp unter 26%. Drittstärkster Anbieter ist Xiaomi mit über 10%, gefolgt von Huawei mit 9,27% Marktanteil. Sogar Anbieter Sony Ericsson kann derzeit noch 2,51% der Marktanteile verzeichnen. Bei den Betriebssystemen für Smartphones ist Android mit 72% klarer Marktführer, gefolgt von Apple. Zusammen decken sie fast 98% des Marktes ab. Meistgenutzter Messenger-Dienst ist WhatsApp.

Odnoklassniki

Facebook ist das unangefochtene Social Network weltweit? Falsch! Denn in Russland gibt es mit „Odnoklassniki“ ein eigenes Netzwerk, das zumindest in Russland einen höheren Stellenwert als Facebook inne hat. Über 100 Millionen App-Downloads allein im Google Play Store, sowie über 135 Millionen registrierte Nutzer (im Jahr 2012), kann der russische Konkurrent vorweisen. Eigentümer ist übrigens Mail.Ru, die wir eingangs bereits erwähnten. Der Name Odnoklassniki bedeutet übersetzt so viel wie „Mitschüler“ und erinnert dadurch an das hier bekannte SchülerVZ. Gestartet ist es im März 2006, also rund zwei Jahre nach Facebook.

Aufgebaut ist die App ähnlich wie der amerikanische Wettbewerber. Als Startbildschirm gibt es einen Newsfeed, in dem sämtliche News von Freunden, sowie beigetretenen Gruppen angezeigt werden. Man selbst kann Fotos, Videos, Live-Übertragungen, seinen Standort oder seine derzeitige Stimmung mit seinen Freunden teilen. Wie seit einiger Zeit auch bei Facebook möglich, kann der eigene Status mit farblichem Hintergrund veröffentlich werden. Auch Umfragen sind kinderleicht zu erstellen.

Im Footer kann zwischen dem Newsfeed, den Diskussionen (Gespräche mit mehreren Personen), Nachrichten, Musik und Empfehlungen hin und her gewechselt werden. Bei den Empfehlungen tauchen vor Allem Posts von Personen oder Seiten auf, denen man noch nicht folgt, um so auf sie aufmerksam zu werden. Besonders interessant finden wir den Bereich „Musik“. Hier können vorrangig russische Lieder gehört und zu der eigenen Musiksammlung hinzugefügt werden. Aber auch Klassiker wie ACDC oder die Beatles haben wir gefunden. Des Weiteren gibt es mehrere Radio-Sender, die zu verschiedenen Genres Musik abspielen. Unserer Meinung nach eine tolle Idee, allerdings ist die Auswahlmöglichkeit noch relativ gering und kann daher nicht mit Anbietern wie Spotify mithalten.

Ein weiteres nettes Gadget ist das verschenken von Geschenken. Man kann seinen Freunden viele verschiedene animierte Bilder kaufen und verschenken. Bezahlt werden diese mit einer eigenen Währung, den sogenannten „OKs“. Mit diesen können auch zusätzliche Inhalte gekauft werden, wie das „All-Inclusive“-Paket, einem „Inkognito-Modus“, einem „VIP-Status“ und einige mehr. 50 OKs kosten 1,19 Euro, bzw. 200 OK´s sind für 4,89 Euro erwerblich. Das All-Inklusive-Paket ist beispielsweise für 50 OKs pro Tag oder 399 OKs für einen Monat erhältlich. Die Premium-Inhalte können also ganz schön auf den Geldbeutel schlagen.

Das letzte was wir noch herausheben wollen ist die Möglichkeit, seinen Freunden eine Rechnung zu stellen, oder ihnen Geld zu überweisen. Diese Funktion kennen wir noch nicht in den bekannten Social Networks, macht aber durchaus Sinn, wenn man viel in Verkaufsgruppen kauft oder verkauft.

Der erste Eindruck von dem sozialen Netzwerk ist gar nicht so schlecht. Es ist simpel zu verstehen. Auch wenn es die App auf mehreren Sprachen gibt, unter anderem auch auf Deutsch, sind die Inhalte aber überwiegend auf Russisch. Außerhalb der Russisch sprechenden Bevölkerung wird die App also wohl erstmal keine größere Rolle neben Facebook spielen.

Yandex

Nicht nur Facebook, sondern auch Google ist in Russland nicht Markführer in ihrem Bereich. Mit Yandex gibt es eine russische Suchmaschine, die Google in nichts nachsteht. Unlängst hat auch Yandex seine Geschäftsfelder weiter ausgebaut. Zu dem Angebot gehören unter anderem ein eigener Browser, Yandex.Taxi, ein Übersetzer, sowie eine Navigations-App.

Besonders interessant ist, dass Yandex rund ein Jahr vor Google auf dem Markt war und es als erste Suchmaschine geschafft hat, auch die in Russland übliche kyrillische Schrift zu verarbeiten und bei grammatikalischen Fehlern oder unbekannten Begriffen passende Suchvorschläge zu machen. Auch der Dienst Yandex.Maps war etwa ein halbes Jahr vor Google Maps online. Yandex ist also kein Nachahmer, sondern ein Vorreiter.

Erfolg verspricht der App auch zukünftig die Konzentration auf Märkte, in denen die Konkurrenz schwächelt. Die Dienste von Yandex gibt es derzeit in Russland, der Ukraine, Weißrussland, Kasachstan, sowie in der Türkei.

In Russland hat Yandex in vielen Bereichen eine marktführende Position. Die Suchmaschine von Yandex hat einen Marktanteil von 64%. Auch Uber tut sich schwer in der russischen Hauptstadt, denn der Taxiservice Yandex.Taxi wird für 60% aller Taxifahrten in Moskau genutzt. Sogar eine eigene Shopping App (ihr habt es euch schon gedacht, sie heißt Yandex.Market) gibt es. Diese zählt jedoch noch nicht zu den größten Onlinehändlern Russlands.

Fazit

Der russische App-Markt ist durchaus interessant, da er den amerikanischen Branchen-Primussen trotzt und eigene Dienste anbietet. Wer hätte gedacht, dass die gängigste Suchmaschine in Russland sogar vor Google gestartet ist, oder dass Facebook in einem Land mit einer Einwohnerzahl von knapp unter 150 Millionen keinen Fuß fassen kann?

Zugegeben, bis auf die Zahlungsmöglichkeit direkt über Odnoklassniki haben die Apps keine innovativen Features, die wir uns sofort auch in den hier gängigen vergleichbaren Apps wünschen. Aber eins können wir trotzdem an Erkenntnis mitnehmen: Es lohnt sich die Fehler der Konkurrenz zu nutzen und seine eigene Position dadurch zu stärken. So können auch Weltmarktführer, die unerreichbar und übermächtig erscheinen, an ihre Grenzen kommen. Die russische App-Branche ist ein hervorragendes Beispiel dafür.