In unserer Blogreihe „App Map“ stellen wir euch die App-Branche in den verschiedensten Ländern weltweit vor. Hier erfahrt ihr alles über die Mobile App-Branche im Allgemeinen und lernt Top-Apps der jeweiligen Staaten kennen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Apps, die hier in Deutschland kaum genutzt werden, beziehungsweise gänzlich unbekannt sind. In dem dritten Teil unserer Reihe stellen wir euch den App-Markt in Südafrika vor.

Südafrika

Die aktuelle Bevölkerung Südafrikas beträgt zirka 56 Millionen Menschen. Damit ist es im Ranking der bevölkerungsreichsten afrikanischen Nationen auf Platz 6. Mit 757 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet das Land jedoch das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt des Kontinents.

In diesem Jahr werden etwa 35% der südafrikanischen Bevölkerung mindestens ein eigenes Smartphone besitzen und regelmäßig nutzen. In Summe sind das rund 20 Millionen aktive Nutzer. Schätzungsweise 21,8 Millionen Euro wird von diesen Nutzern im Jahr 2018 durch App- und In-App-Käufe generiert werden. Das entspricht in etwa dem Branchen-Umsatz in den Niederlanden.

Abgeschlagene Nummer Eins der beliebtesten Smartphone-Anbieter ist mit knapp unter 44% ganz klar Samsung, gefolgt von Huawei mit über 15%. Dritter im Ranking ist Apple mit gerade einmal knapp über 11% Marktanteil. Beliebtestes soziales Netzwerk ist Facebook, das jedoch im letzten Jahr knapp ein Drittel der Nutzer verloren hat. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der Pinterest-Nutzer um mehr als 270%. Somit ist Pinterest die zweitwichtigste Social App. Instagram spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Der am meisten genutzte Messenger-Service ist wie auch hierzulande WhatsApp.

Wie bei den bisherigen Ländern, die wir euch vorgestellt haben, gibt es auch in Südafrika einige interessante Apps, die wir euch gerne etwas genauer erläutern möchten. Es handelt sich dabei dieses Mal allerdings nicht um Apps die ein Must-Have in Südafrika sind, sondern um Nischen-Lösungen, die wir jedoch für interessant und sinnvoll halten.

Loadshed

Auf Grund mangelnder Infrastruktur in Südafrika hat das Land Probleme mit einer konstanten Stromversorgung. Daher wird in vielen Gebieten kurzerhand der Strom täglich für mehrere Stunden komplett abgeschaltet. Die Versorgung in den anderen Stunden soll somit gewährleistet werden. Diese sogenannten Shutdowns können allerdings in Ort und Zeit variieren. Langfristig ist geplant, keine weiteren Abschaltungen durchführen zu müssen, doch das bringt hohe Investitionen mit sich und benötigt viel Zeit.

Die App Loadshed bietet daher eine Art Stundenplan für Shutdowns an. Es können mehrere Suburbs (Vororte) eingespeichert werden. So sind beispielsweise Arbeitsort und Wohnort gleichzeitig abrufbar. Für die eingespeicherten Orte wird anschließend angezeigt, an welchem Tag und um welche Zeit der Strom abgeschaltet wird. Die Orte werden zusätzlich je nach aktueller Phase farblich markiert. So ist schnell ersichtlich, ob sich der Ort gerade in einer Shutdown-Phase (rote Markierung) befindet, ob in Kürze eine ansteht (gelbe Markierung) oder ob keine Abschaltung bevorsteht (grüne Markierung). Das ist alles, worauf sich die App beschränkt. Zusätzliche Funktionen gibt es nicht. Unserer Meinung nach eine sehr hilfreiche App. Nicht nur für die Südafrikaner, sondern auch für Expats (Auswanderer) und Touristen, die sich erstmal daran gewöhnen müssen, nicht jeder Zeit ihr Smartphone laden oder den ganzen Tag fernsehen zu können.

Shark Spotters

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung an Südafrikas Küsten ist das Surfen. Doch dieser Sport ist mit einigen Risiken verbunden. Südafrika zählt zu einem der Top-Hai-Hotspots. Das gesamte Jahr über sind Sichtungen zu verzeichnen. Haiangriffe ist also eine der Gefahren beim Surfen. 2017 gab es weltweit 88 Haiangriffe, von denen fünf tödlich endeten. Zwei Angriffe fanden in Südafrika statt. Klingt nicht viel, aber in der Situation von einem Hai attackiert zu werden, will trotzdem keiner stecken. Vor Allem nicht wenn es sich vermeiden lässt.

Um der Gefahr von vornherein fern zu bleiben, gibt es die App „Shark Spotters“. Auf Shark Spotters werden sämtliche Hai-Sichtungen in den jeweiligen Surf-Gebieten aufgelistet. Ebenfalls wird über ein Flaggensystem gezeigt, ob gerade akute Gefahr besteht und ob überhaupt ein Shark-Spotter vor Ort ist, der im Falle einer Sichtung diese mitteilen kann. Zusätzlich gibt es weiteres Material rund um Sicherheitshinweise, Vorsichtsmaßnahmen und Notfall-Kontakte. Für Surfer interessante Informationen wie Wassertemperatur und Wellenhöhe zu jedem der Gebiete sind ebenfalls abrufbar. Nachteil der App ist, dass sie nur die Surfgebiete rund um Kapstadt abdeckt. Eine Ausweitung auf die restlichen Surfgebiete in Südafrika würde unserer Meinung nach definitiv Sinn machen, auch wenn Kapstadt der Surf-Hotspot in Südafrika ist. Auch wenn die App sehr nützlich sein kann, sollte man sich nicht zu 100 Prozent darauf verlassen, dass es keine Haie in dem Surfgebiet gibt.

Platter’s Wine Guide

Südafrika ist sehr bekannt für den Weinanbau. Insgesamt 136.000 Hektar Rebfläche wird für den Anbau genutzt. Für alle Wein-Fans gibt es daher den Platter´s Wine Guide. Dieser hilft bei der Auswahl des richtigen Tropfens und konzentriert sich auf die aus Südafrika stammenden Weine. Die Suche kann dabei entweder direkt nach einem Wein oder einem Weingut erfolgen, oder man ruft sich eine Auswahl nach verschiedenen Weinarten und/oder Jahrgängen auf. Zusätzlich gibt es eine Bewertungsfunktion, dank der man seine Auswahl auf Grundlage der Ratings anderer User treffen kann. Zu jedem der zahlreich aufgelisteten Weine gibt es noch weitere interessante Informationen zur Herkunft und die Geschichte des Weingutes. Insgesamt bietet der Wine Guide eine riesige Auswahl der aus Südafrika stammenden Weine, die bei Gefallen direkt auf der Favoritenliste abgespeichert werden können. Einziger Nachteil: Gratis ist die App nur für sehr kurze Zeit nutzbar. Nach Ablauf muss ein Jahres-Abo gekaufen werden, um die Inhalte weiter nutzen zu können. Auf Grund der Wein-Vielfalt ist die App jedoch absolut vorteilhaft und für umgerechnet etwas über 10 Euro im Jahr auch preislich noch in Ordnung, wenn dadurch Fehlkäufe vermieden werden können.

Fazit

Südafrika ist unter den Ländern, die wir euch bereits vorgestellt haben, das bevölkerungsärmste. Das Marktpotenzial ist entsprechend kleiner als bei China oder Indonesien. Trotzdem ist der Markt unserer Meinung nach nicht uninteressant. Lediglich 35% der Bevölkerung besitzt derzeit ein eigenes Smartphone. Die Bevölkerung sowie die Smartphone-Penetration steigen beide stetig. Entsprechend ist auch ein Umsatzwachstum in der App-Branche in den kommenden Jahren zu erwarten. In den Apps die wir euch dieses Mal vorgestellt haben, konnten wir leider keine hilfreichen Features finden, die eine gute Ergänzung in den von uns genutzten Mobile Apps darstellen würden. Allerdings machen sie in Südafrika absolut Sinn. Vor allem die beiden Apps „Loadshed“ und „Shark Spotters“ erfüllen dabei einen bestimmten und hilfreichen Nutzen und wurden nicht erstellt, um finanziellen Profit zu generieren. Sie sind kostenfrei und werden über Organisationen oder Spenden finanziert. Abschließend lässt sich festhalten, dass die App-Branche in Südafrika, trotz seiner eher untergeordneten Rolle in der Branche, interessante aber einfache Problemlösungen für die alltäglichen Schwierigkeiten bietet. Ohne viel Schnick-Schnack und Überladung der App.