„Wir brauchen noch Text für die Webseite, wer schreibt den?“ ist der Satz, der in vielen erst mal ein Unwohlsein hervorruft. Warum eigentlich? Es geht nicht um ein Diktat oder einen Aufsatz, wer die schönsten Sommerferien hatte. Es geht bei Content darum, Menschen echte Inhalte so schmackhaft zu servieren, dass sie sich dafür interessieren. Und sich persönlich angesprochen fühlen.

Echte Inhalte meint relevante Inhalte: Informationen, die Menschen weiterhelfen und ihnen das Gefühl geben, dass sie hier die Lösung für ihr Problem finden. Die sie nicht „zutexten“, sondern wertschätzend mit ihrer Zeit umgehen.

Qualität statt Quantität.

Seit Google seinen Algorithmus auf Authentizität und Relevanz ausgerichtet hat (und damit unbedeutenden Mengentext abstraft), ist die Erstellung von Content ein noch wichtigerer Ranking-Faktor geworden. Guter Content entscheidet über das Suchergebnis.

Vor dem Content-Schreiben steht das Interesse am Kunden.

Das sollten sich alle Content-Autoren und -autorinnen fragen: Für wen genau schreibe ich? Was ist dessen spezielle Situation? Wonach sucht dieser Mensch, was möchte er verändern oder verbessern? Wie kann ich eine sprachliche Atmosphäre herstellen, in der er sich wohlfühlt und seine Zeit gut genutzt findet? Es macht Sinn, sich so gut wie möglich in sein digitales Gegenüber hineinzuversetzen und aus dessen Sicht die Fragestellung zu betrachten.

Statt indifferenter Zielgruppe konkret Menschen visualisieren.

Hilfreich ist, für jede Kundengruppe stellvertretend einen Musterkunden oder -kundin, eine „Persona“, zu definieren. Und zwar so real wie möglich. Name, Alter, Beruf, Hobbies, Lieblingsfußballverein etc. Dazu ein Bild, das diese Person gut wiedergibt.

Guter Content hat immer einen Nutzen für den Kunden.

Wenn eine Person mindestens fünf Minuten in einen Text investiert, dann möchte sie einen Mehrwert: eine Erkenntnis, eine Information, einen Kontakt oder einen Denkanstoß. Wir sollten ihre Zeit nicht verschwenden.

Die wichtigste Content-Regel lautet: Don’t make me think.

Intelligente Wortspiele, sprachliche Akrobatik: im Buddy-Talk in der Mittagspause bestimmt klasse, aber für das Internet nicht sinnvoll. Da Nutzer ca. 25% weniger Zeit in das Lesen von Webtexten als in analoge Texte investieren, zählt jede Minute. Jede Verwirrung füttert die Absprungrate. Die wenigsten lesen Wort für Wort; viele scannen und springen von Absatz zu Absatz, auf der Suche nach der Antwort auf ihre Frage. Deshalb ist es wichtig, dass sich kein Absatz auf den vorherigen bezieht, sondern für sich geschlossen „funktioniert“. Als Schreibstil empfiehlt sich, gerade bei langen Texten, ein sachlich-journalistischer; blumiges Ausschmücken und viele Adjektive wirken zu werbig und sorgen für eine hohe Absprungrate.

Google liebt lange Texte,

… aber nur dann, wenn sie von Interesse sind. Dann ist 600 bis 1000 Wörter (ca. 2 DIN A4-Seiten in 12 Punkt) pro Landingpage eine optimale Größe. Die sollten gut aufgelockert sein, um müden Augen vorzubeugen: mit relevanten Überschriften, Zitaten, Handlungsaufforderungen etc. Nicht jedes Thema gibt eine solche Textmenge her. Dann ist es sinnvoll, z.B. weiterführende Links einzusetzen.

Qualitative Keywords: Schlüsselworte für gute Suchergebnisse.

Vor kurzem galt noch eine Keyworddichte von 3% als Richtwert; das hat Google zugunsten von Relevanz und Lesbarkeit gelockert. Wichtig ist, dass die Überschrift den Suchbegriff enthält. Ein mantramäßig wiederholtes Schlüsselwort ist irgendwann nur noch nervig. Stattdessen punktet, wer Storytelling betreibt, Beispiele bringt, weiterhilft.

Guter Content ist der sicherste Weg zum Ziel.

Wer gern schreibt, sich für seine Kunden und deren Bedürfnisse interessiert, durch Themenrecherche mehr Fachwissen hinzugewinnen möchte: dem wird das Content-Erstellen mit der Zeit immer leichter von der Hand gehen. Und die Vision, dass sich durch wertige Inhalte auf Zeit tatsächlich Kunden generieren lassen, ist ein lohnendes Ziel.

Buchtipp: Think Content!: Content-Strategie, Content-Marketing, Texten fürs Web (Galileo Computing) Miriam Löffler | ISBN: 9783836220064 

 

Judith Hagedorn arbeitet als freie Content-Texterin und Diplomdesignerin für kleine und mittlere Unternehmen; außerdem ist sie Honorardozentin in Bremen.
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