Filme auf dem Smart-TV anschauen, Games auf dem Tablet spielen und Fotos mit dem Smartphone schießen. Längst haben auch unsere Kinder die Welt der Technologie für sich entdeckt. Dabei lernen sie viel schneller als unsereins, wie mit der neuen Technik umgegangen wird. Die „normalen“ Spielsachen hingegen werden schnell langweilig und geraten auf das Abstellgleis in irgendeine Schublade im Kinderzimmer.
Warum also nicht diese Technikaffinität und die Auffassungsgabe nutzen und den Kindern spielerisch das Programmieren beibringen? Es gibt immer mehr Methoden, mit denen Kinder bereits ab vier Jahren an das Thema herangeführt werden können. Und es wird nicht immer ein PC, ein Tablet oder ein Smartphone dafür benötigt!
Die Einführung in die Thematik beginnt beispielsweise mit kleinen Robotern, die einer von den Kindern vorgegebenen Bewegungsabfolge nachgehen. Aber auch technikunabhängige Herangehensweisen, in denen zunächst das Konzept der binären Zahlen erklärt wird, sind ein guter Einstieg. Nachfolgend stellen wir einige dieser Modelle vor, mit denen selbst Kleinkinder bereits erste Erfahrungen sammeln können.

Die Fehlersuche

Bei der Fehlersuche geht es um das Verständnis für das binäre Zahlensystem. Statt 0en und 1en zu verwenden, werden Karten mit zwei unterschiedlichen Farben benutzt. Das Kind darf nun ein Feld mit 5×5 Karten legen. Die Farbwahl bleibt dabei bei jeder Karte dem Kind überlassen. Anschließend sagt der Spielleiter, dass er um es etwas schwieriger zu machen noch eine 6te Karte anbaut. Es liegen anschließend also 6×6 Karten auf dem Feld. Doch die 6te Karte wird nicht zufällig gewählt. Bei fünf Karten in einer Reihe ist eine Farbe immer in ungerader Anzahl vorhanden. Die sechste Karte sorgt dafür, dass immer eine gerade Anzahl Karten von beiden Farben in jeder Reihe und Spalte vorhanden ist. Anschließend dreht sich der Spielleiter um und das Kind darf eine beliebige Karte austauschen. Der Spielleiter versucht nun zu erraten, welche Karte ausgetauscht wurde. Mit raten hat das allerdings nicht viel zu tun. Auf der Suche nach der Karte muss einfach die Anzahl der Farben in den Reihen und Spalten gezählt werden. So bleiben eine Zeile und eine Spalte übrig die sich auf einer Karte kreuzen. Dies ist die gesuchte. Dieses und viele weitere Spiele, um Kindern das Grundprinzip von Informatik zu erklären, bietet die Plattform „Computer Science Unplugged“. Auf der offiziellen Internetseite sind noch weitere Spiele erläutert.

Der Blue-Bot

Der Blue-Bot ist ein kleiner Roboter mit Richtungstasten auf dem Rücken. Die Kinder können eine Reihe von Bewegungsrichtungen eingeben. Mit dem Drücken auf „Go“ bewegt sich der Roboter anschließend in der angegebenen Kombination. Auf einer Spielfläche, die zusammen mit dem Kind selbst erstellt werden kann, können Hindernisse und Bedingungen eingefügt werden. Anschließend muss das Kind eine Bewegungsabfolge eingeben, damit der Blue-Bot sicher ans Ziel kommt. Die Spielfläche ist dadurch sehr variabel und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Eine zusätzliche Erweiterung bietet der Hersteller mit dem TacTile Reader. Hier werden kleine Steine in eine Reihenfolge auf eine Vorrichtung gelegt. Auf jedem der Steine ist eine Richtung angegeben. Das Kind erstellt also eine Verkettung von Befehlen. Ist das Kind älter, kann die Technik hinzugezogen werden. Mit Hilfe einer App auf dem Tablet kann das Kind eine Bewegungsreihenfolge vorgeben. Stimmt diese nicht, kann sie ganz einfach abgeändert werden. Mithilfe dieser Methode kann das Verständnis für Befehlsabfolgen und den Einstieg in das Programmieren dieser Abfolgen geschult werden.

Die technikbasierten Ansätze

Auf dem gleichen Prinzip basierend gibt es inzwischen unzählige Anbieter, die per PC oder Tablet den Einstieg vermitteln möchten. Meist geht es um eine fiktive Figur, die zu einem Ziel navigiert werden soll. Dabei gibt es verschiedene Bedingungen und Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Empfohlen werden diese Apps bereits ab 4 Jahren, einige ab 12. Los geht es beispielsweise mit dem Programm „code.org“ (verschiedene Möglichkeiten ab 4 Jahren bis einschließlich Erwachsene), „Scratch“ (ab 8 Jahren), „Codecombat“ (ab 9 Jahren), um nur ein paar zu nennen.
Doch auch in die Welt der Programmiersprachen gibt es Einstiege für Kinder. „Crunchzilla“ bietet das Erlernen der Grundlagen von JavaScript. An einfache englischsprachige Codierung können sich Kinder ab 9 Jahren wagen. Es werden aber auch weiterführende Kurse für Teenager und Erwachsene angeboten.

Programmieren mit Lego

Lego war früher in der Kindheit das Spielzeug schlechthin. Stundenlang saß man auf dem Fußboden im Kinderzimmer und baute Autos, Häuser und Raumschiffe. Später kamen mit Lego Technik komplexere Gebilde zustande. Mit dem EV3-Roboter wagt auch Lego den Einstieg in das Schulen vom Programmieren. Neben den eigenen Konstruktionen gibt es zu dem Bau-Set 17 verschiedene Anleitungen für mögliche Roboter. Mit Hilfe einer App für das Tablet lassen sich die vorgegebenen Modelle programmieren. Mit mehreren Motoren und Sensoren bietet das Set viele verschiedene Bedien- und Anwendungsmöglichkeiten.

Fazit

Technik ist im heutigen Alltag unerlässlich und das wirkt sich auch bereits auf die Kleinen aus. Die Neugier und Faszination von neuen Dingen, die Kinder an den Tag legen, lassen sich wunderbar nutzen, um ihnen den Einstieg in das Programmieren zu bieten. Manche fragen sich vielleicht, warum ein Kind überhaupt programmieren lernen sollte, schließlich hat man das ja früher auch nicht gemacht. Und genau dies ist der Punkt. In den letzten Jahrzehnten gab es in der Technologie-Branche eine enorme Weiterentwicklung. Immer mehr Berufe und Arbeitsstellen stehen zur Verfügung. Qualifizierte Arbeitskräfte werden zukünftig in großen Mengen gesucht. Nur noch zu wissen, wie seine Emails abgerufen werden und mit den Standard-Programmen arbeitet zu können wird nicht mehr ausreichen. Um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu sein, gibt es inzwischen enorm viele Anbieter, die auf verschiedenste Art und Weise den Kindern diese Thematik versuchen näher zu bringen.